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Mutter-Sein/Vater-Sein

  1. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #1
    kleineschaos

    Standard Mutter-Sein/Vater-Sein

    Hallo,

    ich hab grad so einen schönen Elternbrief bekommen. Ich fands folgendes so schön und auch zutreffend.

    Hier noch ein link dazu: ane.de/index.php?id=1174


    Mutter-Sein/Vater-Sein

    Mein lieber Mann!
    Normalerweise wärst Du jetzt im Büro und ich hielte Theresa im Arm. Zugegeben: Es war nicht nett von mir, alles stehen und liegen zu lassen und davonzurennen nach unserem Streit. Aber ich will nicht immer nur nett sein, ich kann nicht mehr. Ich will, dass sich etwas ändert zwischen uns ... Hier bei Paula ist es wunderbar: Ich habe zehn Stunden geschlafen, dann gebadet, in Ruhe gefrühstückt - weißt Du noch, wie gemütlich es früher morgens bei uns war? Wenn ich an unsere Ehe denke, könnte ich heulen... Statt zu heulen, schreibe ich Dir diesen Brief.
    Was macht Theresa gerade? Brabbelt sie? Weint sie? Vielleicht kannst Du jetzt nachempfinden, wie müde ich bin, wie ausgelaugt, wenn Du abends nach Hause kommst. Wenn ich Dir Theresa in den Arm drücke, obwohl auch Du Dich ausruhen willst. Vielleicht verstehst Du jetzt, wenn ich sage: Kein Beruf auf der Welt ist so anstrengend wie der einer Mutter. Und niemand ist da, der mal sagt: Toll machst du das, woher nimmst du die Kraft? Stattdessen Dein langes Gesicht, weil es wieder nur Spaghetti gibt.
    Überhaupt diese ellenlangen Gesichter zwischen uns. Meins, weil ich mich allein gelassen fühle. Deins, weil ich zu müde bin für Sex. Dabei sehne ich mich so nach Zärtlichkeit! Paula sagt, wir sollten Geduld haben miteinander. Das erste Jahr sei das schlimmste. Und wie geht es dann weiter? Wenn ich mir noch so oft sage, wie gut ich es eigentlich habe: Kind, Wohnung, Du hast Arbeit ... manchmal sehe ich einfach kein Land. Dann möchte ich nur noch heulen vor Erschöpfung - und möchte, dass Du mich in den Arm nimmst. Aber ich warte umsonst. Wann, in den vergangenen sechs Monaten, hast Du auch mich mal ausschlafen lassen, samstags, sonntags, bis zehn? Freiwillig meine ich, ohne Protest. Wie hasse ich das Bitten und Betteln, das Kämpfen um Deine Hilfe: Als hättest Du nicht selbst Augen im Kopf, als seist Du für Theresa nicht genauso verantwortlich wie ich. Aber nein: selbst wenn Du sie wickelst, muss ich die Creme aus dem Bad holen oder die dreckige Windel wegräumen. Immer brauchst Du einen Handlanger, eine Aufforderung, nichts klappt von allein. Vielleicht denkst Du (insgeheim), ich müsste Dir dankbar sein, dass Du mich "versorgst": Du verdienst Geld, ich hüte - nur - das Kind. Und dabei bin ich so viel müder als Du - trotz Deiner Überstunden. Im Grunde fühle ich mich wie eine allein erziehende Mutter. Mit dem Unterschied, dass ich immer wieder auf Deine Hilfe hoffe. Ich will auf Dich zählen können und ernst genommen werden. Das wollte ich Dir schon lange sagen, und ich hoffe auf ein Gespräch mit Dir. Bald! P.S.: Sag Theresa, dass ich heute abend wieder da bin und gib ihr einen Kuss von mir.

    Meine liebe Frau!

    Dank Dir für Deinen Brief. Allerdings: meine erste Reaktion war totale Wut. Ich fand Deine Vorwürfe schreiend ungerecht. Abends war Hans bei mir, und ich habe mich erst einmal richtig ausgeschimpft. Vielleicht brauchen wir ja beide einfach wieder ein bisschen mehr Kontakt nach draußen. Das ist es nämlich genau, was mich seit Theresas Geburt mehr und mehr stört: dass Du mich so einplanst. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass es Dir eine gewisse Genugtuung bereitet, mir abends die schreiende Theresa in den Arm zu drücken, bevor ich überhaupt den Mantel ausgezogen habe. Ich weiß, dass Du ausgelaugt, unzufrieden und todmüde bist. Aber ich habe keine Lust darauf, an allem schuld zu sein!
    Du schreibst, ich sei faul, bequem, lieblos und verantwortungslos. Und was empfinde ich? Ich finde, mein Leben war noch nie so anstrengend wie im letzten halben Jahr. Irgendetwas stimmt da nicht. Und was ich auch tue, es ist verkehrt. Wenn ich Theresa nicht wickle, bin ich ein fauler Sack. Wickle ich sie, nehme ich die falsche Creme. Nehme ich die richtige Creme, vergesse ich, die Windel wegzupacken. Pack' ich sie weg, landet sie im falschen Abfall.
    Auf eine Art ist es gut, dass Du gerade nicht da bist. Es ist schwer zu erklären. Theresa und ich kommen uns sehr nahe. Und ich merke, dass ich anfange, ein Gefühl für meinen eigenen Stil zu bekommen - auch was den Haushalt anbelangt, selbst wenn es hier gerade ziemlich chaotisch aussieht. Ich merke, dass mir die Zeit allein mit Theresa gut tut.
    Wie soll ich das sagen? Ich fühle mich so oft wie Dein "Handlanger", und jetzt gerade fühle ich mich wie ein richtiger Vater. Ich spüre, dass Theresa meine Nähe sucht, dass ich nicht nur die zweite Wahl bin. Vielleicht ist das die wichtige Erfahrung dieser Tage, trotz des blöden Streits. Vielleicht kannst Du ja hin und wieder ein Wochenende bei Paula verbringen? Mir sind klare Absprachen über Nachtdienst, Aufstehen und Haushalt lieber als Deine ständige Unzufriedenheit - warum haben wir so was nicht schon längst gemacht?
    Ach ja, der Sex und die Spaghetti. Es stimmt schon: Ich möchte gern mit Dir mal wieder einen ganzen Tag im Bett verbringen und dann ein fünfgängiges Menü serviert bekommen. Die Zeiten sind wohl vorbei (?). Aber nicht deswegen mache ich ein langes Gesicht.
    Ich mache ein langes Gesicht, weil ich mich so allein fühle wie Du. Okay, ich war nicht schwanger, hab' nicht geboren, nicht gestillt. Aber deswegen ist es trotzdem nicht einfach, Vater zu werden. Manchmal hab' ich das Gefühl, dass man als Mann beim ersten Kind unheimlich schnell ins Hintertreffen gerät, ohne zu merken, was überhaupt passiert.
    Und genau da will ich raus!
    Lass uns darüber reden, was Du gern anders hättest und was ich gerne anders hätte. Glaub mir: Ich will Theresa, ich will unsere Familie, ich will Dich und bin bereit, was zu tun. Bis später! Dein Mann. P.S.: So, jetzt muss ich mal die ganzen Windeln wegräumen, es fängt an, mir zu stinken!

  2. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #2
    Mutti1000
    jetzt muss ich heulen

  3. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #3
    kleineschaos
    Zitat Zitat von Mutti1000 Beitrag anzeigen
    jetzt muss ich heulen
    das wollt ich jetzt nicht...

  4. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #4
    Mutti1000
    ach Quatsch... der Text ist nur unglaublich passend...

  5. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #5
    Avatar von missmay
    missmay
    Ich erkenn uns sowas von wieder..
    Mir laufen auch gerade die Tränen

  6. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #6
    Avatar von Lilly87
    Lilly87
    echt ein wirklich schöner Text. Den oberen hätte von mir sein können

  7. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #7
    Avatar von Mauseohr83
    Mauseohr83
    der text spricht mir und meinem männe aus der seele...

    mutti...ich musst auch grad

    aber jetzt wir wieder alle, oder??

  8. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #8
    selket
    So gehts wohl allen frischgebackenen Eltern irgendwie.

    Selbst bei uns noch ab und zu, obwohl mein Mann schon kräftig mithilft und auch mal einfach mit den Kiddis abhaut -einkaufen, Züge gucken etc.-

    Aber die Gefühle sind uns beiden trotzdem nicht fremd. Wir reden sehr offen miteinander darüber und ändern etwas, und das kann ich nur empfehlen, wenn die Beziehung mit Kindern weiterhin schön sein soll.

  9. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #9
    Gast1493
    Haha, ich überleg mir grad echt, ob ich den Text meinem Holden zeig oder ob ich ihn mir aufhebe, bis ich ihn mal "brauche", weil ich weg bin

    Der Text spricht mir fast 1:1 aus der Seele, und ich geh mal davon aus, dass der andere Text ihm aus der Seele spricht - also machen wir das beste daraus!!!

    Tja, das Leben wird wohl nie mehr so werden wie vor dem Kind, aber das macht ja im Prinzip auch nix, es muss einfach neu organisiert werden, zur Zufriedenheit aller!!
    Und das Geheimrezept ist wohl, wie Selket schon schrieb, reden!!!

  10. Mutter-Sein/Vater-Sein Beitrag #10
    Avatar von Hertztrost
    Hertztrost
    Der Text sagt sowas von die Wahrheit!

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