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08.09.2010, 08:15 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #1Gast1253
Die Sache mit dem Loslassen
...oder auch: Ich wollte nie eine Mutterhenne sein.
6.55 Uhr: Ich werde wach und das erste was mir einfällt war 'Nein, bitte, ich muss mich im Tag irren.' Nun, sagen wir es so, meine Hoffnung wurde mir beraubt mit nur einem Satz des Kindes was schon voller Erwartung vor unserem Bett saß. 'MAMA! Heute gehe ich in den Kindergarten!'
7.00 Uhr: Der Wecker klingelt während ich schon in der Küche bin. Papa steht auch auf, wenn auch nur langsam, weil unsere Tochter um ihn rumspringt und ihn mit fragen Löchert.. 'Gehst du zur Arbeit?' 'Was macht Mama?' 'Ich gehe heute in Kindergarten und du bleibst hier.' und zu guter letzt: 'Hast du meine Kindergartentasche gesehen?'. Mir wird langsam schlecht während ich versuche meine naturkrausen Haare von einem afroamerikanischen Stehlook zu einer Frisur zu verarbeiten. Ruhig Blut, sage ich mir, es ist nur ein Kindergarten und eigentlich bist du doch froh das sie geht. Richtig, also warum Trübsaalblasen? Du hast dich doch auch so darauf gefreut endlich Zeit für dich zu haben, du warst so eine lockere Mutter, und nun? Zieh dir schon mal die Schürze an, Mutterhenne.
7.10 Uhr: Während ich mein Kind anziehe und sie ununterbrochen erzählt, das sie ja jetzt mit dem Domenik und der Celina in eine Gruppe geht, und das Tristan ja auch in der Gruppe ist, schreit mich meine Mutterinstinkt an, das dieses kleine Wesen doch noch viel zu unbeholfen ist um überhaupt 5 Meter alleine vor die Tür zu gehen. Aber Kaya bringt diese Stimme schnell zum Schweigen indem sie sich alleine die Haare kämmt. Doch der Mutterinstinkt kämpft und so erwische ich mich, wie ich reflexartig sage: 'Gib her, ich mach das, du kannst das nicht' und die kleine Prinzessin Lilifee Bürste sich dann in meiner Hand befindet und die Haare durchforstet.
7.13 Uhr: Ich bekomme einen Heulkrampf, weil Kayas Haare an einer Seite nicht liegen wollen. Papa kommt in Kayas Zimmer und grinst. 'Haste schon Zähne geputzt? Nein? Los.' Mein Kind geht natürlich bereitwillig mit ihrem Vater mit während ich heulenderweise auf dem Laminatboden im Kinderzimmer sitze. Verdammter Kerl, denke ich mir, erst der Kindergarten und jetzt nimmt auch er noch mein Kind weg. Das nächste Kind bleibt bei mir bis es in die Schule geht, die können mich alle mal., nehme ich mir fest vor.
7:15 Uhr: Mit leichten Tränen in den Augen versuche ich die letzten Sachen zu beschriften. Der Filzer hält nicht und vor Wut fliegt er durch das ganze Zimmer. Wieso haber ich keine Aufkleber mit Namen? Und wieso ist heute eigentlich Kindergarten? Unnütz ist der blöde Mist!
7:17 Uhr: Papa und Kind machen sich auf zum Auto, währen Mutter Packesel die Sachen hinterherschleppt... und alles und jeden verflucht. Kurz meldet sich mein Egoismus: 'Hey... ist doch super, den ganzen Vormittag für dich, du kannst alles machen was du willst... sogar nackt im Flur mit einem Regenschirm Tango tanzen...' Ich will aber nicht nackt im Flur Tango tanzen... genauergesagt möchte ich jetzt gerade mein Kind nehmen und mit ihr auf dem Bett rumtoben. Doch selbst Kaya ist ein Verräter und brüllt: 'Mama! Komm ins Auto.. schnell!'
7:20: Die Ankunft im Kindergarten. Ich überlege kurz Kaya und das Auto zu kidnappen und mich nach Neuseeland abzusetzen... zumindestens wenigstens nach Österreich. Aber Kaya rennt schon unbarmherzig, bepackt mit zwei Taschen und ein paar Gummistiefel, auf die Tür des Kindergartens zu und hibbelt davor hin und her weil sie die Tür nicht aufbekommt. Papa ist natürlich so großzügig, Mama ist in Gedanken. Wie eine Wilde schmeisst sich mein kind auf den Boden um ihre Schuhe auszuziehen und ihre Giraffenhausschuhe anzuziehen. Ich muss schlucken, weil ich sehe das mein Kind eine Kuh als Zeichen hat. Ihr Lieblingstier... mein Mutterinstinkt meint nur: 'Die kämpfen mit unfairen Mitteln...' Ich hänge derweil die Matschhose und die Wechselkleidung an den Hacken unter der Kuh. Meine Tochter hat alles auf dem Boden liegen lassen und ist schon losgelaufen. Tomasz und ich rufen ihr hinterher sie solle aufräumen, sie kommt widerwillig und macht das. Die Kindergärtnerin steht grinsend neben uns. Ich fand sie imemr nett, aber jetzt ist sie gerade die alte Hexe mit dem Pfefferkuchenkindergarten. 'Brenn Hexe!' brüllt mich mein Mutterinstinkt an. Ich lächle nur. Dann schaue ich erwartungsvoll nach unten um vielleicht ein: 'Ich will wieder mit nach Hause' zu hören. Doch da wo mein Kind war ist jetzt nichts als Luft. Kaya ist wieder bei den anderen Kindern. Tom ruft wieder er wolle noch Tschüss sagen. Kaya kommt gibt jeden widerwillig einen Kuss und motzt dann: 'Manno, könnt ihr jetzt gehen?'. Wir gehen, Tom schaut mich an und sieht meine Tränchen. Er grinst: 'Du bist grad so mütterlich... wie so eine alte Babcia.' Ich bin heute nichtmal mehr ich genug um etwas dagegen zu sagen. Ich lasse mich nach Hause fahren.... und hoffe insgeheim auf einen Anruf: 'Sie können Kaya abholen, sie möchte nicht mehr bleiben.'
Nunja, so lange bis das passiert, picke ich meine Körner vor mich hin. Und ganz vielleicht schaffe ich es sogar ein Ei zu legen.
Selbstironie ist der Beste Weg mit Traurigkeit fertig zu werden. Ich habe mal erzählt wie es mir heute morgen gegangen ist und hoffe, ihr mögt es und vielleicht grinst ihr auch ein wenig. Ansonsten hätte ich gerne gewusst wie ihr die erste Zeit verbracht habt, wo ihr eure 'großen' Kinder in den Kindergarten brachtet.
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08.09.2010, 09:29 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #2
das hast du echt so schön geschrieben. musste grad an manchen Stellen weinen.
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08.09.2010, 09:30 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #3
Erst einmal: Ich find es super wie du das geschrieben hast, musste schon ein bisschen schmunzeln.
Bei uns war es eher umgekehrt..
Kindergarten ist schon sooooooo lange her..
Laura war 4j, Sarah 1j alt.
Ich wollte Laura mit 3j noch nicht bringen, weil ich ihr diese Umstellung nicht antun wollte wo sie eh schon von ihrem "alles-dreht-sich-nur-um-mich"-Thron runter gestoßen wurde. Schließlich war da nun ein Säugling der auch Mama´s Aufmerksamkeit wollte.
Leider Gottes ist meine große Tochter ein Seismograph für meine Gefühle und hat gespürt dass der erste KiGa-Tag für mich hart war und hat dementsprechend Theater gemacht.
Bis zu einem bestimmten Punkt ging sie mit und dann blieb sie wie angewurzelt stehen. Alles gut zureden nutzte nichts, sie blieb stehen. Auch schieben, ziehen, hochheben funktionierte nicht, das Kind war wie festgetackert.
Ich hab sie dann aus der Situation rausgeholt, mich mit ihr hingesetzt, sie nochmal in den Arm genommen und gesagt dass ich sie ja wieder hole und war dann ganz froh, dass die Gruppe von 2 ganz tollen Erzieherinnen geführt wurde und dass ihre ältere Cousine in der Gruppe nebenan war und sie nicht ganz allein war.
Meine jüngere Schwester machte dann auch noch in der Zeit ein Praktikum in dem Kindergarten und meine Tochter wurde durch den "familiären Rückhalt" im KiGa sicherer und es funktionierte dann alles super.
Sarah war da eher wie Kaya... "Tschüss Mama..." *wusch* weg war sie und zurück bekam ich einen Dreckspatz wo man erst zu hause nach in-die-Wanne-stellen dann auch behaupten konnte "JA! Das ist meine Tochter!"
Ich hab dann immer gesagt ich nehm das schmutzigste Kind mit nach Hause, wird schon passen...
(zum Glück war sie in der Nachmittagsgruppe)
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08.09.2010, 09:34 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #4Christiane1982
Wie ich Jannik daserste mal brachte
Oh Gott das war die Hölle für mich.
Er ging spielen und sagte Tschüß, ich bekam noch ein Küssi.
Dann hies es nur jetzt geh man Dein Sohn kommt hier super zurecht.
Als ich denn zum Parkplatz lief kullerten die Tränen einfach so runter ich konnte nicht anders.
Mein kleiner süßer Schatz ist jetzt ein großer Junge.
Das war wirklich schwer für mich.
Lg Christiane
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08.09.2010, 09:35 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #5
super witzig geschrieben... Klasse!
Und ich bin mir sicher Du packst das
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08.09.2010, 09:41 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #6Gast1253
Es ist sooo verdammt still in der Wohnung.
Und es freut mich wenn es euch gefällt, ich sagte ja, Selbstironie ist immer gut... und unterhält die anderen
Ich dachte einfach ich lasse euch mal teilhaben.
Sanni, ist auch heftig mit deiner Großen. Kaya fühlt sich zwar auch gut in meine Gefühle, aber ich glaube Kindergarten ist wichtiger. Leider gibt es hier keine Nachmittagsgruppe, sonst hätte ich sie dort reingesteckt... ist fürs Kind einfach toller. Naja, dann gehts jetzt halt weiter auf den Spielplatz nachmittags....
Christiane, ja so ist das auch. Man hat das Kind vor kurzem erst geboren und nun soll es schon alleine in den Kindergarten gehen... das geht doch nicht.
Meint ihr Kaya wird wieder Mittagsschlaf machen? Oder soll ichs lieber nicht versuchen, sonst ist sie sicher abends unausgeglichen...
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08.09.2010, 09:57 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #7
Ja das mit der Stille stimmt, ich hab mich z.B. immer mit meiner älteren Schwester getroffen, die hatte ja dasselbe "Problem" und wir konnten unsere Kinder dann zusammen abholen.
Meine waren nach dem KiGa immer total k.o.
Laura war immer total quengelig und nervig die Anfangszeit so dass es erst Essen gab wenn sie ne Stunde geschlafen hatte.
Sarah ist in der Badewanne immer schon halb eingeschlafen...
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08.09.2010, 10:01 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #8Gast1253
ich schau einfach mal, wie sie nachher drauf ist. Mei ist mir langweilig...
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08.09.2010, 10:56 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #9selket
Hast du gut geschrieben und es beruhigt mich zu sehen, dass es anderen Müttern ähnlich geht.
Hier zu Hause wurde ich überhaupt nicht ernst genommen, genauso unter Freunden (Mütter) etc.
Ist ja alles so toll, dass die Kleinen nun selbstständig werden.
Ja, ist es auch aber dieses Gefühl, was du hier beschreibst, ist trotzdem vorhanden.
Es wird zwar mit der Zeit besser und stolz bin ich auch auf meine Kleinen, die wir behandeln wie kleine Erwachsene aber so ganz ist dieses Gefühl nie weg gegangen.
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08.09.2010, 11:01 Die Sache mit dem Loslassen Beitrag #10Jazzmann
Oh je, oh je. Das kann ich mir vorstellen, dass dir das schwer gefallen ist. Aber sie ist ja bald wieder da und irgendwann weißt du die Zeit zu genießen, die du jetzt Ruhe hast.
Putz doch ein bißchen, das lenkt ab. So mache ich das immer.
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